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Kunst im öffentlichen Raum Plädoyer für eine Skulpturen-Allee und Kunst-Patenschaften | Patenschaften sollen Kunst bewahren | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Klaus Geldmacher stellt Konzept zur Rettung von Objekten im öffentlichen Raum vor. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Text von Klaus Geldmacher | 28.10.2005 / NRZ-Lokalausgabe | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Niemand ist begeistert, verwahrloste Kunst im öffentlichen Raum zu sehen. Doch wer fühlt sich verantwortlich, wer sorgt für Abhilfe ? Der Respekt vor dem Kunstwerk verlangt nach Pflege und Bewahrung; das Desinteresse der Bevölkerung legt den Abriss nahe. Gibt es einen Mittelweg, eine Lösung, die Künstler wie Öffentlichkeit zufrieden stellt ? Kunst im öffentlichen Raum ist kein Selbstzweck und darf sich nicht in der lapidaren Präsentation von Kunst erschöpfen. Notwendig ist eine spezielle Form der Darbietung mit dem Ziel, das Kunstwerk einem breiten Publikum zu erschließen. Die Standortfrage ist nicht zu unterschätzen. Kunstwerke, die wegen der historischen Bedeutung nur an diesem Standort sinnvoll sind, oder die künstlerisch augenfällig und unabdingbar ihr Umfeld mit einbeziehen, müssen dort bleiben. Das gleiche gilt für Kunstwerke, die fest mit einem Gebäude verbunden sind (Bilder/Reliefs an Hauswänden). Alle anderen Kunstwerke im öffentlichen Raum, sollten an ihrem Standort infrage gestellt werden. Ihr Verbleiben sollte vom öffentlichen Interesse des unmittelbaren Wohnumfeldes abhängig gemacht werden. Die Bewohner sollen befragt werden. Nur bei positivem Echo und gleichzeitiger Bereitschaft der Bürger, eine Kunst-Patenschaft zu übernehmen, d.h. sich für die Pflege und Vermittlung des Kunstwerkes (auch finanziell) verantwortlich zu fühlen, soll das Werk am Standort verbleiben. Kann keine Kunst-Patenschaft im Wohnumfeld gefunden werden, sollte das Kunstwerk in einer Skulpturen-Allee neu platziert werden. Eine solche viele Kunstwerke zusammenfassende Skulpturen-Allee hätte vor allem "kunstpädagogische" Auswirkungen. Eine Skulpturen-Sammlung im Freien würde sich einem breiten Publikum öffnen, weil sie - anders als im Kunstmuseum - unbeabsichtigten, zufälligen Zugang verschafft. Eine Skulpturen-Allee würde Vergleiche zwischen den Werken ermöglichen und sicher auch - wegen der großen Zahl der Kunstwerke - Aufmerksamkeit beim kunstunkundigen Passanten erzeugen und Neugier wecken. Die Skulpturen-Allee muss deshalb an einem von der Bevölkerung bereits als Erholungsraum akzeptierten Ort mit hoher Besucherfrequenz (z.B. MüGa-Gelände, Fossilienweg, Ruhranlage, Leinpfad, Witthausbusch, Bismarckturm, Ruhrbania) eingerichtet werden. Voraussetzung für die Schaffung einer Skulpturen-Allee wäre jedoch ebenfalls die Bereitschaft von Einzelpersonen, Firmen, Organisationen und/oder der Stadt, für einzelne Kunstwerke Kunst-Patenschaften zu übernehmen. Kunstwerke, die letztendlich keinen Kunstpaten finden - weder im Wohnumfeld noch in der Skulpturen-Allee -, also auf keinerlei öffentliches Interesse mehr stoßen, sollten demontiert werden. Sie können aber Kunst-Institutionen und -Liebhabern (zum Kauf) angeboten werden. Falls sich kein Interessent findet, sollte - bevor das Werk vernichtet wird - der Urheber(Erbe) gefragt werden, ob er das Werk zurücknehmen will. Eine deutliche Kennzeichnung aller Kunstwerke ist unverzichtbar. Bei jedem Kunstwerk ist eine Schrifttafel anzubringen. Mit Nennung des Urhebers (Geburtsdatum, Geburtsort, Wohnort), des Entstehungsjahres, des Auftraggebers, des Motivs der Auftragsvergabe, des Eigentümers und des Kunst-Paten. Ein erläuterndes Statement(Titel der Arbeit und zwei-drei Sätze) zum Kunstwerk ist hinzufügen - möglichst vom Urheber(kein Fachchinesisch), für Kunstunkundige verständlich und anregend. Die Schrifttafel muss stabil konstruiert sein und im Falle der Besprayung/Zerstörung unkompliziert und schnell erneuert werden können. Die Stadtverwaltung scheint bei der Sicherung und Vermittlung von Kunst im öffentlichen Raum (nicht nur finanziell) überfordert - sonst wäre längst etwas geschehen. Deshalb sind Mülheims Kunstliebhaber gefordert. Die Gründung einer Privatinitiative "Kunst im öffentlichen Raum" wäre hilfreich. Engagierte Kunstliebhaber sollten sich zusammenfinden mit dem Ziel, in Mülheim an der Ruhr ein neues Bewusstsein für öffentliche Kunstwerke zu schaffen. Diese Privatinitiative könnte ein Gesamtkonzept entwickeln, die Kunst-Patenschaften und die Skulpturen-Allee organisieren und betreuen, sowie Privateigentümer und Stadtverwaltung bei der Sicherung und Vermittlung jener Kunstwerke beraten, für die sie zuständig bleiben. Das Stadtjubiläum 2008 kann Ansporn sein, das Gesamtkonzept zu realisieren. 9.10.2005 Klaus Geldmacher |
Sie wurden vor längerer Zeit - oft für viel Geld - angeschafft, auf Straßen und Plätzen aufgestellt und meist zunächst stolz präsentiert. Sie sollten und sollen ein künstlerisches Markenzeichen der Stadt sein. Doch nach Jahren der öffentlichen Finanzmisere bieten viele Kunstwerke im öffentlichen Raum mittlerweile ein trauriges Bild. Vandalismus, Vernachlässigung, mangelnde Pflege und der Zahn der Zeit haben ganze Arbeit geleistet, bedingt durch Geldmangel wusste die Stadt dem irgendwann nicht mehr viel entgegenzusetzen. Hinzu kommt: Die Kunstwerke werden meist gar nicht als solche wahrgenommen, weil schlicht ein Hinweis auf Kunst und Künstler fehlt (die NRZ berichtete mehrfach). Dabei sind unter ihnen viele bekannte Namen wie u.a. Heinrich Siepmann oder Ernst Rasche. Im Kulturausschuss kam man unlängst überein, das Thema nun anzugehen, auch wenn zusätzliche Mittel für die Instandhaltung von Kunst kaum zu erwarten sind. Erste Ideen stehen bereits im Raum: Regelmäßige Führungen könnten die Kunstwerke mehr ins Bewusstsein der Bürger rücken, in einer Broschüre könnte eine Auswahl von ihnen - es sind immerhin rund 150 verteilt übers Stadtgebiet - vorgestellt werden. Schützenhilfe bekommen die Kulturpolitiker von dem Mülheimer Künstler Klaus Geldmacher, der einige Ideen zur Kunst im öffentlichen Raum angestellt und der Politik als Konzeptpapier vorgelegt hat. Geldmacher regt darin an, auf zwei Ebenen zu verfahren. Zum einen sollen Patenschaften von Bürgern aus dem näheren Umfeld, die sich auch finanziell einbringen sollen, den Bestand des Kunstwerks an seinem jeweiligen Standort sichern. Kunstwerke, für die sich vor Ort kein Pate findet, könnten - so sie nicht räumlich oder historisch mit ihrem Standort zusammenhängen - versetzt und gemeinsam in einer "Skulpturen-Allee" präsentiert werden. "Eine Skulpturen-Allee würde Vergleiche zwischen Werken ermöglichen und sicher auch - wegen der großen Anzahl der Kunstwerke - Aufmerksamkeit beim kunstunkundigen Passanten erzeugen und Neugier wecken", so Geldmacher. Am besten sei dafür ein Ort mit hohem Besucheraufkommen geeignet. Doch auch hier wäre man, ebenfalls in einer Art von Kunstpatenschaft - auf ideelles und finanzielles bürgerschaftliches Engagement von Privatpersonen, Organisationen oder Firmen angewiesen. Unabdingbar wäre grundsätzlich eine Hinweistafel an jeder Arbeit mit Nennung des Künstlers, des Auftraggebers und einiger Erklärungen zum Werk. Sollte sich weder im Wohnumfeld noch in der "Skulpturen-Allee" ein Pate finden, solle das Objekt abgebaut und verkauft oder an den Künstler zurückgegeben werden, schlägt Geldmacher vor. Hilfreich für das Projekt sei die Gründung einer Privatinitiative "Kunst im öffentlichen Raum", in der engagierte Kunstliebhaber ein neues Bewusstsein für Kunst im Stadtgebiet schaffen könnten. Dabei setzt Geldmacher auf das Stadtjubiläum im Jahr 2008 - als zeitlicher Ansporn, damit bis dahin einiges besser wird. (jasi) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||